Ja ich will – mobil rund um die Welt sein
Ich möchte aufwachen. Heut‘ in der Karibik, morgen auf den Seychellen, übermorgen auf den Malediven und überübermorgen auf den Kanaren. Ich möchte aufwachen und die Sonne sehen, das Meer, ein paar Palmen und keine Wolke. Ich möchte aufwachen und das Salz des Wassers riechen und den Sand und die Freiheit. Und am allerliebsten möchte ich dann mein Handy zücken, ein Bild vom Sonnenuntergang machen und es per MMS an alle meine Freunde schicken. Ich möchte sie anrufen und ihnen von der Herrlichkeit berichten.
Was ich aber nicht möchte: Ich will weder ihren noch meinen Geldbeutel dafür quälen, ihn strapazieren oder gar ermeucheln. Und ich will wissen. Ich will wissen, was es mich kostet, ein Lächeln per SMS zu verschicken. Ich will wissen, wie teuer es ist, wenn ich meinen besten Freund dem Rauschen des Meeres für ein paar Minuten lauschen lasse – ohne ihn hineinzuziehen. Ich will aus dem Bullauge sehen und meiner Omi berichten, dass es mir gar nicht besser gehen könnte, damit sie ruhig schlafen kann.
Der Zwiespalt dieser wunderbaren Wünsche liegt in ihrer Schönheit. Wer Inseln und die Abgeschiedenheit sucht, wer Kreuzfahrten genießt und das azurblaue Meer begehrt, der muss verzichten. Auf mobile Telekommunikation. Auf Wissen. Auf Freiheit. Warum? Wegen der EU. Aber nicht mehr lange, denn in Brüssel gibt es Bewegung.
Wer jemals an Bord eines Kreuzfahrtschiffes oder einer Fähre war, der weiß bereits beim Betreten des Trajekts: Mobilfunkdienste werden ab jetzt gefährlich. Entweder sie stehen gar nicht zur Verfügung oder nur mäßig; in jedem Fall aber teuer und überhaupt finanziell undurchsichtig. Oder anders ausgedrückt: Wer sein Handy nutzt, der lässt sich auf ein echtes Abenteuer ein. Denn gänzlich keiner weiß, was dieser Luxus kosten wird.
Das Problem: Es gibt keine einheitliche Regelung. Was es hingegen gibt, ist ein Paragrafendschungel aus 27 nationalen Rechtsvorschriften. Doch das soll sich nun ändern, denn die Damen und Herren der EU in Brüssel befassen sich nach den Reformen der Handy-Gesprächsgebühren, dem Einheitsladekabel und der Datenroaming-Verordnung nun mit Mobilfunk auf den großen Meeren.
Das erstrebenswerte Ziel des neuen Beschlusses stellt dabei eigene Funkfrequenzen auf Schiffen zur Verfügung. Diese Netze an Bord sollen dann so störungsfrei sein, dass es zu keiner Kollision mit den Landfunknetzen kommt. Diese „Unfälle“ sind nämlich dafür verantwortlich, dass ein versehentliches Einbuchen in ein anderes Netz enorme, vor allem aber unvorhersehbare Kosten produziert. Technisch möglich sollen dies sogenannte Pikozellen machen. Nach Installation dieser Zellen stellen Satelliten eine Verbindung her, die stark genug sein soll, um eben auch die letzten unbekannten Variablen aus dem Mobilfunk zu verbannen.
Zudem hätte das Ganze auch noch einen weiteren Vorteil – nicht, dass noch wer denkt, die Brüsseler täten dies aus reiner Menschenliebe – Fernüberwachung! Ganz offiziell heißt es ungefähr so: Mit dem Meeresmobilfunk wäre die Fernüberwachung von Frachtgütern auf See wesentlich sicherer. Anhand von Sensoren in Containern wäre es möglich, eine permanente und immer aktuelle Kontrolle über den Zustand von zum Beispiel verderblichen Waren zu haben, gerade was Temperatur und Feuchtigkeit angeht. Löblich, oder?
Um dieses Vorhaben zeitnah in die Tat umzusetzen, müssen die EU-Mitglieder ihre nationalen Vorschriften anpassen und die Frequenzbänder für die schiffseigenen Mobilfunkdienste freimachen. Da sind wir (bald) glücklichen Urlauber aber mal gespannt.
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