Der Ovi-Store brummt!
Was ist nicht anfangs auf der iPhone-Euphoriewelle alles gesagt und geschrieben worden über den Ovi-Store von Nokia. Langsam sei er und langweilig. Teuer, unverschämt, rückständig und insgesamt stelle er nicht einmal ansatzweise eine Konkurrenz für Apple dar. Pah! Pustekuchen, denn mittlerweile brummt der Ovi-Store gewaltig.
Nokia verbindet – so jedenfalls der Werbeslogan des finnischen Mobilfunkherstellers. Und getreu diesem Motto versammelte man sich Ende letzten Jahres mit App-Entwicklern auf einer Mobil-Konferenz in San Fransisco, um eben diesen so wichtigen Entwicklern noch einmal die Vorteile des Ovi-Stores aufzuzeigen. Diesmal jedoch nicht per Zukunftsvision und tollen Versprechen, diesmal wollte man mithilfe der gesammelten Erfahrung punkten.
Dass überhaupt viele der wichtigsten App-Entwickler zu diesem Treffen reisten, zeigt schon den klaren Trend des immer stärker in Fahrt kommenden Ovi-Store. Zudem erläuterten auch die schon integrierten Entwickler, wie zum Beispiel Andy Sheldon, ihre Erfahrungen. Sheldon bietet sein Foto-App sowohl bei Apples App-Store als auch in Nokias Ovi-Store kostenlos an. Über Nokia wurde sein App in zwei Wochen rund 9000 Mal heruntergeladen, der App-Store konnte lediglich 5000 Downloads vorweisen. Auch was die Reichweite angeht, war Sheldon begeistert. Sein „Fizwoz“ wurde für das Nokia N900 von Anwendern aus 90 (!) verschiedenen Ländern heruntergeladen, während die App über iTunes vor allem in den USA gezogen wurde.
Selbstredend sind Äußerungen und Erfahrungsberichte wie die von Andy Sheldon Musik in den Ohren des finnischen Konzerns. Und darüber hinaus bestätigen sie die eigene Aussage Nokias, man sei Apple und Google dicht, sehr dicht auf den Fersen. Nach einer zugegebenermaßen holprigen Anfangsphase verzeichnet Nokias Ovi-Store mittlerweile 3,5 Millionen Downloads täglich. Nach dem Branchenprimus Apple, der Schätzungen zufolge fast die dreifache Downloadrate vorweisen kann, ist man somit auf Platz zwei.
Allerdings gibt es auch Barrieren, die die Aufholjagd schwierig gestalten. Zum Beispiel Entwickler wie PopCap. Diese wollen derzeit nicht für Nokias Ovi-Store produzieren und werden eigenen Angaben zufolge auch in Zukunft vor allem Apples iOS, aber auch Googles Android und Microsoft Windows Phone 7 beliefern. Trübe Aussichten für den finnischen Mobilfunkgiganten, gerade weil PopCap derzeit fünf Spiele in der TOP-50-Liste der kostenpflichtigen iPhone-Apps hat.
Die Antwort auf die Frage nach dem Warum geht in zwei verschiedene Richtungen. Die eine fußt auf unterschiedlichen Nutzungsanforderungen. Während über Apples App-Store vor allem Spiele vertrieben werden, beziehen Nokia-Nutzer wesentlich mehr Anwendungen. Was für einen Spielehersteller weniger lukrativ ist.
Die andere Richtung geht – wie könnte es anders sein – in Richtung Bankkonto, denn Nokia hat in Sachen Geschäftsmodell deutlich nachgebessert. Natürlich nicht zugunsten der Entwickler. Anfangs orientierten sich die Finnen noch bei Apple und übernahmen ihre 70/30 Aufteilung, 70 Prozent der Einnahmen für den Entwickler, 30 bleiben im Konzern. Nun allerdings behält sich Nokia satte 40 Prozent des Verkaufspreises. Auch das wird die Entwickler zusätzlich abschrecken.
Es wird also abzuwarten bleiben, ob Nokia trotz höherer Marktanteile in Zukunft weiter aufholen kann auf dem milliardenschweren App-Markt. Bisher brummt der Ovi-Store.
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