30.12.2010 17:35 in Allgemein

Der neue elektronische Geldbeutel

Bezahlen mit dem HandyLösen Handys bald EC- und Kreditkarten ab?

Ein Leben ohne Handy? Kaum mehr vorstellbar. Über 90 Prozent der Menschen wissen zwar meist nicht wo sich ihr Partner gerade aufhält, haben dafür aber rund um die Uhr ihr Handy maximal einen Meter entfernt griffbereit. Doch so sehr sich Mobiltelefone ihren festen Platz in unserem Alltag erkämpft haben, die Entwicklung zur elektronischen Geldbörse kann man hierzulande bestenfalls als embryonale Entwicklungsstufe titulieren. Sicher, Klingeltöne und Handy-Spiele funktionieren gut und in manchen Teilen der Republik werden bereits Pilotprojekte für Nachverkehrs- und Parktickets ausgiebig getestet, allerdings handelt es sich hierbei nur um einen winzig kleinen Teil von dem was mit Mobile Payment möglich ist und alsbald auch sein wird.

Wie der Google-Chef Erik Schmidt auf einer Konferenz Mitte November bekannt gab, wird Google ein neues Handy mit integriertem NFC-Chip auf den Markt bringen. NFC steht hierbei für Near Field Communication, eine Art neue, standardisierte Schnittstellentechnologie zum kontaktlosen Austausch zwischen elektronischen Geräten. Vorreiter ist wie immer in der Mobilfunk-Branche der asiatische, speziell der japanische Markt. Hier hat M-Payment bereits eine völlig andere Dimension erreicht. Allein das größte Bahnunternehmen Japans, JR-East, welches auch den berühmten Shinkansen-Schnellzug betreibt, setzt auf diese Art und Weise jährlich 3 Milliarden US-Dollar um. Wie an einem Skilift hält der Kunde lediglich das Handy ans Drehkreuz um zu zahlen.

Im deutschsprachigen Raum kommt diese Entwicklung nur schwerlich voran. Was vor allem daran liegt, dass zum einen branchenübergreifende Kooperationen sich schwieriger als erwartet gestalten und zum anderen zu komplizierte Technologien und viel zu viele Insellösungen die Menschen verwirren. Das Interesse ist zwar vorhanden, skeptisch bleiben die Kunden trotzdem. Diese Skepsis basiert vor allem auf zwei elementaren Grundpfeilern – fiktive Zinsen und mangelnder Datenschutz. Den Finanziers wird von Kritikern vorgeworfen, dass man für fiktives Geld, welches keinen materiellen Gegenwert in einer Bank bedarf, Zinsen für nichts verlangen könnte. Auch der Datenschutz ist ein scharfes Schwert, denn mit M-Payment wird es zukünftig noch einfacher, ein individuelles, ganz konkretes Kundenprofil anzufertigen. Geht es also nur um Geld und Überwachung? Ist also mangelndes Vertrauen in Datenschutz und Zahlungssicherheit der Grund dafür, dass sich das Handy als Geldbörse bei uns noch nicht etabliert hat?

Eine Umfrage des E-Commerce Center Handel im Auftrag von KPMG unter 1.000 Bundesbürgern ab 16 Jahren hat ergeben, dass 76 Prozent diese beiden Kriterien für unabdingbar halten. Darüber hinaus fühlen sich zwei von drei Bundesbürgen unzureichend über M-Payment informiert. Ohnehin sind die Intensivnutzer, also die die beispielsweise täglich per Mobiltelefon im Internet surfen, die Hoffnungsträger für die Branche. Dreiviertel derer, möchten künftig über ihr Handy Zahlungsvorgänge abwickeln.
Bei der Frage nach dem Abbrechungsverfahren sprechen sich mehr als die Hälfte der Befragten für eine Prepaid-Variante aus, ein klares Indiz des mangelnden Vertrauens. Aber auch etablierte Bezahl-Anbieter wie Paypal stehen hoch im Kurs.
Im milliardenschweren japanischen Markt, sind mittlerweile ca. 90 Prozent aller Mobiltelefone sogenannte Wallet-Phones (Geldbörsen-Handys). Hier wird zu einer normalen SIM-Karte eine zweite Kredit-SIM-Karte integriert, über die anschließend die Zahlungen gebucht werden – wahlweise per PrePaid oder analog der Kreditkarte.

Dass dieses Modell zukunftsträchtig ist, beweist nicht nur die Forschung und Entwicklung des Suchmaschinengiganten Google, auch viele weitere große Unternehmen wie Philipps, Sony und Co. arbeiten bereits klar in Richtung M-Payment. Und angesichts der Tatsache, dass exakt die Menge der Befragten vor zwei Jahren eine solche Verfahrensweise noch konsequent ablehnte, lautet die Kernfrage entgegen vieler Meinungen nicht ob sich das Handy als neue elektronische Geldbörse auch bei uns durchsetzen wird, sondern wann!


 

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